Friedrich Meister

geboren: 1909
letzte Adresse: Paul Hessemer Strasse 13
Kriegsdienstverweigerer, KZ Ensisheim, Flucht,überlebt

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Friedrich Meister wurde 1909 in einem Dorf im Odenwald geboren. Sein Vater, von Beruf Steinmetz und Maurer wurde zum Ersten Weltkrieg eingezogen. Als kurz darauf seine Mutter starb, übernahm die Großmutter den Haushalt. Meisters Vater kehrte traumatisiert durch eine Verschüttung an der Front, als Kritiker des Krieges zurück. Schon die Grundschule war für Friedrich Meister eine Erfahrung von Autorität und Ungerechtigkeit. Erst zwei Jahre nach ihrem Ende fand er eine Lehre als Schneider, die sich bald als Konfektionsherstellung und damit Ausbeutung als billige Arbeitskraft entpuppte. Als die Lehre aufgrund einer Krankheit Meisters verlängert werden sollte, brach er sie ab. Er arbeitete als Handlanger an verschiedenen Arbeitsplätzen, und ging schließlich – ohne Ausbildung – auf Wanderschaft. Diese erwies sich als ein Hungerdasein, zu Fuß lief er durchs Ruhrgebiet bis nach Hamburg und arbeitete schließlich in Jena als Hausdiener. Wegen seiner Arbeitsbedingungen wandete er sich an eine Gewerkschaft, wurde Mitglied und lernte auch die „rote Jungfront“ kennen, eine Jugendorganisation der KPD.
Nach erneuter Entlassung kehrte Meister in den Odenwald und zu Gelegenheitsarbeiten zurück. Schon Ende der 1920er Jahre waren dort viele Bauern Nazis geworden. Meister beteiligte sich an politischen Auseinandersetzungen durch Flugblattverteilen, aber auch das Aufhängen von Fahnen an herausragenden Orten. Mit Volljährigkeit wurde er KPD-Mitglied. Kurz vor Beginn des Nationalsozialismus beschloss Meister, sich am „bewaffneten Kampfs der Arbeiter“ gegen den Faschismus zu beteiligen und besorgte sich Pistole und Sprengstoff. Diese Entwicklung empfand sein Vater als so bedrohlich, dass er den Sohn anzeigte. Meister wurde zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt, die er in Butzbach absitzen musste. Den Beginn des Nationalsozialismus erlebte er nun im Gefängnis: die Einlieferung von Antifaschisten, Folterungen und eine Hinrichtung. Diese Erlebnisse führten dazu, dass er sich nach seiner Entlassung nicht dem Widerstand anschloss.
Mitte der Dreißiger Jahre versuchte Meister Arbeit bei Opel in Rüsselsheim zu finden, was erst 1938, nach der selbst finanzierten Absolvierung einer Dreher-Ausbildung gelang. Dennoch sah er sich vom heraufziehenden Krieg bedroht. Meister wollte keinesfalls „Soldat für Hitler“ werden, fürchtete seine Einziehung auch, weil er Schikanen gegen einen antifaschistischen Soldaten erwartete. Daher plante er für den Fall der Einziehung seine Flucht. Bei der Umsetzung wurde er 1942 allerdings in der Nähe der Grenze gestellt und vor ein Sondergericht gestellt. Doch er wurde nicht zum Tode verurteilt, sondern „nur“ zu einer langen Zuchthausstrafe.
Während der Zeit in verschiedenen Zuchthäusern und Lagern erlebte Meister Zwangsarbeit, Misshandlungen, Hunger und Erschießungen Mitgefangener. Von einem Transport der „Gehfähigen“ bei Kriegsende gelang ihm mit anderen Häftlingen die Flucht. Im Juni 1945 kam er zu Fuß und völlig unterernährt zu Hause an. Er beteiligte sich an den Spruchkammerverfahren, zu denen er von der KPD im Odenwald entsandt wurde. Seine Wiedereinstellung bei Opel wurde jedoch verweigert. Das Arbeitsamt und auch ein Vermittlungsausschuss mit dem sozialdemokratischen Bürgermeister und einem kommunistischen Beisitzer waren der Ansicht, dass ein Kriegsdienstverweigerer kein Anrecht auf einen Arbeitsplatz habe. In einer harten Auseinandersetzung konnte Meister das Blatt noch wenden und wurde wieder bei Opel eingestellt.
In der Folgezeit beiteiligte Meister sich an den Auseinandersetzungen um die Gestaltung des Wiederaufbaus. In der KPD bei Opel fand er einen Diskussions- und Handlungszusammenhang, den er jedoch schon bald wieder verlor: 1956 führte der Kampf gegen das „Schreckgespenst Kommunismus“ zum Verbot der KPD. Enttäuscht zog Meister sich aus der Politik zurück. Er hatte in der Zwischenzeit geheiratet und einen Sohn bekommen. Die Jahre bis zur Rente verbrachte er im Opelwerk, wo er die ihn körperlich überfordernde Arbeit als Angelernter in der Produktion verlassen und in die Kontrolle wechseln konnte.
Seine Leidenschaft für das Wandern und andere Freizeitbeschäftigungen, die er bereits in jungen Jahren entdeckt hatte, waren für ihn in dieser Phase und noch lange nach der Verrentung ein wichtiger Lebensbestandteil. Gemeinsam mit seiner Frau und befreundeten Opel-Kollegen unternahm er viele Hüttentouren in den Alpen und noch im hohen Alter kletterte er in den Felsen der Umgebung Rüsselsheims herum.
Pflügner, Klaus (1989). Der Deserteur Friedrich Meister. aus Rüsselsheim. In Mainzer Geschichtsblätter 5, Faschismus vor der Haustür. Mainz: Verein für Sozialgeschichte Mainz e.V. (Hrsg.).
Original des Interviews von Klaus Pflügner im Stadtarchiv der Stadt Rüsselsheim, Slg. Oral History.
Dokumente von Meister wurden im Archiv des Studienkreises Deutscher Widerstand hinterlegt
und zahlreiche Ge

 
     
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